Core Web Vitals mit Astro: So erreichen wir 100/100 PageSpeed

6 Min. Lesezeit Read in English

PageSpeed-Werte werden gern als Trophäe herumgezeigt – meist ein einzelner Screenshot mit einer grünen 100. Wir machen das hier anders und legen die echten Zahlen unserer eigenen Seite offen, inklusive der Stellen, an denen sie schwanken. Denn wer Performance verkauft, sollte sie nicht schönrechnen.

Die Seite, um die es geht, ist codeaeffchen.de – unsere eigene, zweisprachige Website auf Astro. Hier sind die gemessenen Lighthouse-Werte (Version 13.3.0, Stand 6. Juni 2026):

MetrikMobilDesktop
Leistung98 (schwankt 98–100)100
Barrierefreiheit100100
Best Practices100100
SEO100100
Largest Contentful Paint (LCP)1,9 s0,4 s
Cumulative Layout Shift (CLS)00,005
Total Blocking Time (TBT)0 ms0 ms
First Contentful Paint (FCP)1,0 s0,3 s
Speed Index3,8 s (teils 2,4 s)0,5 s

Auf dem Desktop sind das 100 Punkte in allen vier Kategorien. Mobil liegen wir bei 98 bis 100 – und genau über diese Schwankung lohnt es sich zu reden.

Warum der Wert mobil schwankt – und warum das gut ist

Wenn ihr die Seite zweimal hintereinander durch PageSpeed jagt, bekommt ihr nicht zwingend denselben Wert. Mal steht da mobil eine 100, mal eine 98; der Speed Index springt zwischen 2,4 und 3,8 Sekunden. Das ist kein Mangel, das ist die Natur eines Labortests: Er läuft auf einer simulierten, gedrosselten Mobilverbindung, und kleine Unterschiede bei jedem Durchlauf wirken sich auf die Zahl aus.

Entscheidend ist, welche Werte stabil sind. Und das sind genau die, auf die es ankommt: Die Core Web Vitals – LCP, CLS und (als Laborproxy) die Total Blocking Time – sind durchgängig grün und stabil. Der einzige Wert, der mobil mal in den gelben Bereich rutscht, ist der Speed Index. Und der ist kein Core Web Vital, sondern ein ergänzender Labormesswert.

Heißt für euch: Wer euch einen einzelnen 100er-Screenshot als Beweis hinlegt, zeigt euch eine Momentaufnahme. Sinnvoller ist der Blick auf die einzelnen Metriken – und ob sie über mehrere Messungen stabil im grünen Bereich bleiben.

Ein ehrlicher Zusatz: PageSpeed zeigt für die Seite „Keine Daten” beim Feld-Report. Das bedeutet schlicht, dass noch nicht genug echte Besucherdaten für Googles Felddaten (CrUX) vorliegen. Die Werte hier sind also Labordaten – aussagekräftig für die technische Qualität, aber kein Ersatz für die spätere Messung am echten Nutzertraffic.

Warum Astro hier so weit vorne liegt

Diese Werte sind kein Tuning-Kunststück, das wir der Seite mühsam abgerungen haben. Sie sind das Ergebnis der Architektur. Drei Dinge tragen das:

  • Fast kein JavaScript zum Start. Astro liefert standardmäßig reines HTML aus und schickt nur dort Code an den Browser, wo wirklich Interaktion gebraucht wird (Islands Architecture). Wenig JavaScript heißt: kaum etwas blockiert das Rendern – daher die Total Blocking Time von 0 ms.
  • Statische Auslieferung. Die Seiten sind vorgebaut. Es gibt keine Datenbankabfrage und keine serverseitige Verarbeitung bei jedem Aufruf – das HTML ist sofort da.
  • Kontrolle über jedes Asset. Bilder, Schriften und Stylesheets werden gezielt optimiert und ausgeliefert, ohne den Ballast, den ein gewachsenes Plugin-Setup oft mitschleppt.

Der Punkt ist nicht, dass wir besonders hart optimiert haben. Der Punkt ist, dass bei Astro wenig zu optimieren war, weil von Anfang an wenig Ballast da ist. Performance ist hier der Ausgangszustand, nicht das Ziel einer Aufräumaktion.

Und WordPress? Ist nicht langsam.

Jetzt die unbequeme Ehrlichkeit, die in den meisten „Astro ist schnell”-Artikeln fehlt: WordPress ist nicht langsam. Wir bauen selbst funktionsreiche WordPress-Seiten, die schnell sind – mit Video-Hero, Slidern, Event-Kalendern und Social-Feeds. Das geht.

Ein konkretes Beispiel aus unseren Projekten ist die Website der YAYLA ARENA – ein echtes Schwergewicht: Video-Hero, Event-Slider, Social-Feed, alles auf WordPress. Im Labortest auf einem gedrosselten Test-Smartphone holt sie „nur” 93 Punkte, der Largest Contentful Paint liegt dort bei 3,1 s. Aber im echten Nutzeralltag – den Felddaten, die Google aus realen Besuchen sammelt – besteht die Seite die Core Web Vitals: LCP 1,9 s, Interaction to Next Paint 129 ms, Layout Shift 0. Eine funktionsreiche WordPress-Seite, die bei echten Menschen schnell ist.

Genau hier zeigt sich, warum man Labor- und Felddaten trennen muss: Der gedrosselte Labortest bestraft den schweren Hero, während echte Nutzer auf realen Geräten die Seite flüssig erleben. Umgekehrt gilt für unsere Astro-Seite: makellose Laborwerte, aber noch keine Felddaten – weil dafür schlicht mehr Besuchertraffic nötig ist. Kein Wert allein erzählt die ganze Geschichte; man muss wissen, welcher was misst.

Der Unterschied zwischen den beiden Wegen liegt im Aufwand. Auf WordPress erarbeitet man sich solche Werte: durch konsequentes Caching, aggressives Lazy-Loading, disziplinierte Plugin-Auswahl und saubere Bild-Optimierung. Es funktioniert – die YAYLA ARENA beweist es – aber es ist laufende Arbeit, und jedes neue Plugin kann die mühsam erreichte Performance wieder gefährden.

Bei Astro fällt dieser Daueraufwand weitgehend weg, weil der schlanke Zustand der Normalfall ist. Das ist der eigentliche Vorteil: nicht „schneller als WordPress”, sondern „schnell, ohne es ständig verteidigen zu müssen”.

Welcher Weg der richtige ist, hängt von eurem Projekt ab – genau das beleuchten wir im ehrlichen Vergleich Astro vs. WordPress. Und wenn ihr WordPress behalten, aber das Tempo von Astro wollt, gibt es einen Mittelweg: Headless WordPress mit Astro.

Was die Werte für euch bedeuten

Top-Performance ist kein Selbstzweck und kein Angeber-Screenshot. Sie zahlt konkret ein:

  • SEO: Die Core Web Vitals sind ein Rankingfaktor. Stabil grüne Werte sind die technische Basis, auf der Inhalte überhaupt erst gut ranken können – mehr dazu in unserem Beitrag zu den Core Web Vitals. Wie Astro darüber hinaus bei der Suchmaschinen-Optimierung hilft, zeigt Astro & SEO.
  • Conversion: Jede gesparte Ladesekunde senkt die Absprungrate. Schnelle Seiten halten Besucher, langsame verlieren sie – besonders mobil.
  • Ruhe im Betrieb: Wenn Performance der Ausgangszustand ist, müsst ihr sie nicht ständig nachjustieren. Das spart laufenden Aufwand.

Fazit

100 auf dem Desktop, 98–100 mobil, alle Core Web Vitals stabil grün – das sind die echten Werte unserer Astro-Seite, mit allen Schwankungen offengelegt. Erreicht haben wir sie nicht durch nachträgliches Optimieren, sondern durch eine Architektur, bei der Geschwindigkeit der Normalzustand ist.

Und nein, das heißt nicht, dass WordPress langsam ist. Es heißt, dass ihr auf WordPress für dasselbe Ergebnis mehr Disziplin und Pflege braucht. Welcher Weg zu euch passt, sagen wir euch ehrlich – auch wenn die Antwort „bleibt bei WordPress” lautet.


Ihr wollt wissen, wo eure Seite steht? Schickt uns die URL – wir schauen uns die echten Core Web Vitals an und sagen euch, ob sich ein Performance-Relaunch lohnt, ob ein gezieltes Aufräumen am Bestand reicht, oder ob alles in Ordnung ist. Schreibt uns kurz.

Häufige Fragen

Wie erreicht man 100/100 bei den Core Web Vitals mit Astro?

Nicht durch nachträgliches Tuning, sondern durch die Architektur. Astro liefert standardmäßig reines HTML aus und schickt nur dort JavaScript an den Browser, wo echte Interaktion nötig ist (Islands Architecture). Zusammen mit statischer Auslieferung ohne Datenbankabfrage bei jedem Aufruf und gezielt optimierten Assets ist wenig da, was das Rendern blockiert – daher stabile grüne Werte und eine Total Blocking Time von 0 ms.

Ist der Speed Index ein Core Web Vital?

Nein. Die Core Web Vitals sind Largest Contentful Paint, Cumulative Layout Shift und Interaction to Next Paint; im Labortest dient die Total Blocking Time als Proxy dafür. Der Speed Index ist ein ergänzender Labormesswert. Deshalb ist es kein Widerspruch, wenn der Speed Index mobil mal schwankt, während die eigentlichen Core Web Vitals stabil im grünen Bereich bleiben.

Was ist der Unterschied zwischen Labor- und Felddaten?

Labordaten stammen aus einem simulierten Test auf einer gedrosselten Verbindung wie PageSpeed oder Lighthouse und messen die technische Qualität unter kontrollierten Bedingungen. Felddaten aus Googles CrUX stammen aus echten Besuchen auf realen Geräten. Beide können auseinanderliegen: Ein schwerer Test kann im Labor Punkte kosten, während echte Nutzer die Seite flüssig erleben – und umgekehrt fehlen Felddaten, solange zu wenig Besuchertraffic vorliegt.

Ist WordPress langsamer als Astro?

Nicht grundsätzlich. WordPress kann auch bei funktionsreichen Seiten schnell sein – das erfordert aber laufende Disziplin: konsequentes Caching, Lazy-Loading, sorgfältige Plugin-Auswahl und Bild-Optimierung. Bei Astro ist der schlanke, schnelle Zustand der Normalfall. Der Vorteil liegt also weniger im Spitzenwert als darin, ihn nicht ständig verteidigen zu müssen.

Daniel Nilges
Daniel Nilges

Gründer & Full-Stack-Entwickler

20+ Jahre Erfahrung in der Webentwicklung. Spezialisiert auf Laravel, WordPress und individuelle Software für den Mittelstand.