Eigener Entwickler oder White-Label-Partner? Eine ehrliche Rechnung
Wenn du eine Agentur führst, kennst du den Moment: Ein Kunde fragt nach einer technisch anspruchsvollen Umsetzung. Du hast die Beratung, das Design, die Strategie. Was dir fehlt, ist die Entwicklungskapazität – jetzt sofort, in der nötigen Breite, ohne Risiko.
Zwei Wege stehen offen: einen eigenen Entwickler einstellen oder einen White-Label-Partner buchen. Beide haben Befürworter, beide haben Marktanteile. Was selten passiert: jemand rechnet ehrlich.
Wir bei Codeäffchen sind seit über 20 Jahren Entwicklungspartner für Agenturen. Manche unserer Partnerschaften laufen seit 16 Jahren – etwa mit Spitzer Onlinemarketing und der SEO Agentur Mudra. Andere sind jünger und gewachsen, weil Bedarf da war – wie Alpha Omega Webdesign, mit denen wir seit zwei Jahren gemeinsam an Projekten wie der Vulkaneifel-Therme arbeiten. In dieser Zeit haben wir beide Modelle aus nächster Nähe gesehen. Dieser Artikel ist die Rechnung, die wir Agenturinhabern vorlegen, wenn sie ehrlich vergleichen wollen.
Kurz vorweg: Wir verdienen Geld mit dem Buy-Modell. Wir sind also nicht neutral. Aber wir haben kein Interesse, dir etwas anzubieten, das für dich nicht passt – dann hast du nach sechs Monaten Frust und wir einen verbrannten Markt. Wir versuchen, beide Seiten so ehrlich wie möglich zu zeigen.
Die Build-Seite: Was ein eigener Entwickler wirklich kostet
Die meisten Agenturinhaber rechnen: „Ein Entwickler kostet 70.000 € im Jahr, das sind 5.800 € im Monat, also 36 € pro Stunde bei 160 Stunden im Monat. Günstiger als jeder Externe.”
Das ist die Marketing-Rechnung. Die echte Rechnung sieht anders aus.
Direkte Personalkosten:
- Jahresgehalt Senior-Entwickler (PHP/Laravel/WordPress): 70.000–85.000 €
- Arbeitgeber-Nebenkosten: ca. 22 % → 15.000–18.500 €
- Vollkosten Personal: 85.000–103.500 €/Jahr
Sachkosten:
- Hardware (MacBook, Monitore, Peripherie): ca. 4.000 € auf 3 Jahre = 1.300 €/Jahr
- Software-Lizenzen (IDE, Adobe, Tools): 1.500–3.000 €/Jahr
- Anteiliger Arbeitsplatz (Raum, Strom, Internet, Möbel): 3.000–6.000 €/Jahr
- Vollkosten Sachen: 5.800–10.300 €/Jahr
Einmalige Kosten:
- Recruiting (Headhunter, Stellenanzeigen, Probearbeit): 5.000–15.000 €
- Einarbeitung (Produktivitätsdelle in den ersten 3–6 Monaten): konservativ geschätzt 15.000–25.000 € entgangene Leistung
Versteckte Kosten:
- Weiterbildung und Konferenzen: 2.000–5.000 €/Jahr
- Urlaubs- und Krankheitstage: bei 30 Tagen Urlaub + 8 Krankheitstagen = 38 Tage ohne Leistung, aber mit vollen Kosten
- Führungsaufwand: 2–4 Stunden pro Woche durch dich oder deinen Projektleiter
Gesamtbetrachtung Jahr 1: 110.000–145.000 € all-in. Gesamtbetrachtung ab Jahr 2: 95.000–120.000 €/Jahr.
Bei 1.600 produktiven Stunden im Jahr (nach Abzug von Urlaub, Krankheit, internen Meetings, Weiterbildung) sind das Vollkosten von 60–90 € pro produktiver Stunde – ab Jahr 2. Im Jahr 1 eher 70–95 €.
Wer mit „36 € pro Stunde” rechnet, betreibt Selbsttäuschung.
Die Buy-Seite: Was ein White-Label-Partner wirklich kostet
Hier geht es konkret um Codeäffchen, weil ich nur über unsere Konditionen ehrlich sprechen kann. Andere Anbieter rechnen anders.
Unser Stundensatz: 100 €/h. Das ist transparent, steht öffentlich, und ändert sich nicht je nach Projekt-Komplexität. Wir rechnen punktgenau ab – Anfahrt, Meetings, Telefonate gehören dazu, werden aber realistisch erfasst, nicht aufgebläht.
Realistische Nutzungsmuster, die wir bei unseren Partner-Agenturen sehen:
| Modell | Buchungs-Volumen | Anwendungsfall |
|---|---|---|
| Mini-Auftrag | ab 1 Stunde | Plugin-Fix, kleine Anpassung, Hosting-Frage |
| Laufende Wartung | ~10 Stunden/Monat | Updates, Bugfixes, kleine Erweiterungen für mehrere Kundensites |
| Projekt-Buchung | 40–80 Stunden | Komplettes WordPress-Setup nach Design, WooCommerce-Anpassung, kleines Custom-Plugin |
| Großes Projekt | 120 Stunden+ | Custom-Laravel-Komponente, komplexe Schnittstelle, Multi-System-Integration |
Das Spektrum geht also realistisch von 100 € (eine einzelne Stunde) bis 12.000 € (großes Custom-Projekt) pro Beauftragung.
Die direkte Rechnung: drei Szenarien
Damit es konkret wird, hier drei typische Agentur-Szenarien.
Szenario 1: Die kleine Agentur
Profil: 3–5 Personen, Schwerpunkt Beratung und Design, 4–8 Kundenprojekte pro Jahr mit technischem Anteil.
Tatsächlicher Entwicklungsbedarf: geschätzt 300–500 Stunden im Jahr.
| Variante | Kosten/Jahr |
|---|---|
| Eigener Entwickler (1.600 produktive Stunden) | 95.000–120.000 € – aber 1.100+ Stunden ungenutzt |
| White-Label bei 100 €/h (400 Stunden tatsächlich) | 40.000 € – exakt bezahlt, was gebraucht wird |
Klare Build-vs-Buy-Schwelle: Bei unter 950–1.200 produktiven Stunden Bedarf pro Jahr ist Buy günstiger. Plus: Du trägst kein Auslastungsrisiko, kein Krankheitsrisiko, keine Recruiting-Komplexität.
Szenario 2: Die mittlere Agentur mit kontinuierlichem Bedarf
Profil: 8–15 Personen, eigene Marketing- und Designteams, 12–25 Kundenprojekte pro Jahr mit substanziellem technischem Anteil.
Tatsächlicher Entwicklungsbedarf: 1.200–2.000 Stunden im Jahr.
| Variante | Kosten/Jahr |
|---|---|
| Eigener Entwickler (1.600 Stunden) | 95.000–120.000 € – falls Bedarf passt |
| White-Label bei 100 €/h (1.600 Stunden) | 160.000 € – flexibler, aber teurer in der Stunde |
| Hybrid (1 fester Entwickler + White-Label-Spitzen) | 95.000 € + 30–60.000 € = 125.000–155.000 €/Jahr |
Hier wird’s interessant: Bei kontinuierlich 1.500+ Stunden ist ein eigener Entwickler oft günstiger. Aber: Du hast Skill-Lücken. Dein Entwickler kann WordPress, aber kein Laravel. Oder umgekehrt. Oder kein DevOps. Dann brauchst du beides – eigener Mensch für 80 % der Routine, Partner für die 20 % Spitzen mit Spezial-Anforderung.
Empfehlung: Hybrid-Modell. Funktioniert bei unseren langjährigen Partner-Agenturen so – Routine intern, technisch anspruchsvolle Projekte und Spitzen extern.
Szenario 3: Die spezialisierte Agentur mit punktuellem Tech-Bedarf
Profil: 5–10 Personen, Schwerpunkt Branding, SEO oder Content-Marketing. Tech ist nicht Kerngeschäft, aber gelegentlich gefordert. 3–6 Tech-Projekte pro Jahr, davon 1–2 anspruchsvoll.
Tatsächlicher Entwicklungsbedarf: 200–400 Stunden im Jahr, davon ein einzelnes komplexes Projekt mit 120+ Stunden.
| Variante | Kosten/Jahr |
|---|---|
| Eigener Entwickler | 95.000–120.000 € – fast komplett ungenutzt |
| Freelancer projektbezogen | 20.000–40.000 € – aber Verfügbarkeitsrisiko, Qualitätsstreuung |
| White-Label-Partner | 25.000–45.000 € – planbar, gleichbleibende Qualität |
Klare Entscheidung: Buy. In dieser Konstellation ist ein eigener Entwickler ökonomisch nicht zu rechtfertigen.
Was Zahlen nicht zeigen
Eine ehrliche Rechnung hört nicht bei Euro auf. Drei Faktoren, die in keiner Tabelle stehen, aber den Unterschied machen:
Verfügbarkeit und Risiko
Ein eigener Entwickler ist 1 Person. Krankheit, Urlaub, Kündigung – alles geht direkt auf dich. Ein White-Label-Partner ist ein Team. Wenn jemand ausfällt, springt jemand anderes ein. Bei uns ist das vier Personen tief abgesichert.
Bei der SEO Agentur Mudra etwa läuft unsere Zusammenarbeit seit 16 Jahren reibungslos – inklusive Hosting-Unterstützung und technischem SEO. In dieser Zeit hatten wir keine Ausfälle, weil immer mindestens zwei von uns die jeweilige Kundensite kennen.
Skill-Spektrum
Ein Entwickler hat ein Profil: WordPress oder Laravel, Frontend oder Backend, Performance oder Security. Niemand kann alles auf Senior-Niveau. Bei uns deckt das Team WordPress (Avada, The7, Hello Biz, Elementor), Laravel (Filament, Livewire, Saloon), Shopify, Schnittstellen-Entwicklung, Plugin-Entwicklung, Performance-Optimierung und DevOps ab.
Mit Spitzer Onlinemarketing arbeiten wir seit 16 Jahren zusammen – an WordPress-Projekten, statischen Seiten, PHP-Upgrades und Hosting. Die Bandbreite wäre mit einem einzelnen Festangestellten kaum abdeckbar.
Strategische Kompetenz statt nur Hände
Ein Junior-Entwickler führt aus, was du vorgibst. Ein erfahrener Partner gibt dir technisches Sparring – das beantwortet auch die Vorab-Fragen, die kein Endkunde stellt, weil er nicht weiß, dass er sie stellen sollte.
Mit Alpha Omega Webdesign arbeiten wir seit zwei Jahren zusammen. Die Vulkaneifel-Therme ist ein gutes Beispiel: Wir haben den Laravel-Shop mit TCP-Anbindung an das Kassensystem gebaut, während Alpha Omega die Hauptwebsite betreut. Solche Konstellationen funktionieren nur, wenn beide Seiten technisch auf Augenhöhe diskutieren können.
Die Stolperfallen, die wir bei beiden Modellen sehen
Drei Muster, die Agenturen Geld kosten – egal welchen Weg sie wählen.
Bei „Build”: die Junior-Falle
Ein Junior-Entwickler kostet 45.000 € Gehalt + Nebenkosten = ca. 60.000 €/Jahr. Klingt erschwinglich. Aber: Ein Junior braucht 6–12 Monate, bis er produktiv selbstständig arbeitet. In dieser Zeit muss jemand mit Senior-Niveau ihn betreuen – das bist entweder du, dein Senior-Entwickler (wenn vorhanden), oder ein externer Mentor.
Wer Juniors einstellt, ohne Senior-Anleitung im Haus zu haben, baut technische Schulden auf, die später teuer zurückgezahlt werden.
Bei „Buy”: die Freelancer-Falle
Freelancer sind günstiger pro Stunde (50–80 €), aber: Verfügbarkeit schwankt, Qualität streut, langfristige Verantwortung fehlt. Wenn dein Freelancer in 6 Monaten keinen Bock mehr hat oder gut bezahlt anders unterkommt, bist du allein mit dem Code. Bei kritischen Kundensites ist das ein Risiko, das du in einer ruhigen Phase kalkulieren musst, nicht im Notfall.
Bei beiden: die fehlende Sparring-Schicht
Egal ob Festangestellter oder Externer: Wer den Entwickler nur als Befehlsempfänger nutzt, lässt 30–50 % seines strategischen Werts liegen. Gute Entwickler sehen Probleme früh, schlagen Architekturen vor, warnen vor Sackgassen. Wenn du das nicht nutzt, sparst du am falschen Ende.
Wann was: die ehrlichen Empfehlungen
Wenn du nach diesen drei Szenarien noch unschlüssig bist, hier die Kurzform:
Buy ist die richtige Wahl, wenn:
- Du unter 1.000 produktive Entwicklungsstunden im Jahr brauchst
- Dein Bedarf saisonal schwankt
- Du verschiedene Skill-Spektren brauchst (WordPress + Laravel + DevOps)
- Du keine Lust hast, Recruiting und Mitarbeiterführung zu lernen
- Du gerade gestartet bist und keine Planungssicherheit über drei Jahre hast
Build ist die richtige Wahl, wenn:
- Du dauerhaft 1.500+ produktive Stunden brauchst
- Dein Bedarf in einem Tech-Bereich liegt, den du langfristig im Haus halten willst
- Du strategisch eine eigene Tech-Abteilung aufbauen willst
- Du Senior-Anleitung im Haus hast (oder einen Senior einstellst, der das übernimmt)
Hybrid funktioniert, wenn:
- Du eine Routine-Basis intern abdecken willst, aber Tech-Spitzen extern
- Deine Tech-Anforderungen breiter sind als ein Entwickler abdecken kann
- Du Risiko streuen willst (Ausfall, Skill-Lücke, Lastspitzen)
Was du jetzt tun kannst
Bevor du entscheidest, drei konkrete Fragen, die du dir selbst beantwortest:
- Wie viele Entwicklungsstunden hast du wirklich in den letzten 12 Monaten gebraucht? Ehrlich gerechnet, inklusive Wartung und Bugfixes.
- Wie groß ist die Schwankung zwischen deinem stärksten und schwächsten Monat? Bei mehr als Faktor 2 ist ein Festangestellter ineffizient.
- Welche technische Kompetenz brauchst du dauerhaft? WordPress-Standard-Themes oder Laravel-Architektur? Beides? Nur punktuell?
Wenn du nach diesen drei Fragen unschlüssig bist: ruf uns an oder schreib uns. Wir machen kostenlos eine Einschätzung, was zu deiner Agentur passt. Auch wenn das Ergebnis lautet: „Stell selbst jemanden ein, ihr seid groß genug.” Das haben wir auch schon empfohlen.
Du kannst die Entscheidung nicht auf eine Excel-Zeile herunterbrechen. Aber du kannst aufhören, sie aus dem Bauch zu treffen.
Passende Leistungen
Gründer & Full-Stack-Entwickler
20+ Jahre Erfahrung in der Webentwicklung. Spezialisiert auf Laravel, WordPress und individuelle Software für den Mittelstand.