Shopify oder WooCommerce? Der ehrliche Vergleich für KMU
Kurz gesagt
Shopify passt für Standard-Shops ohne Technik-Team: mieten, loslegen, planbare Gebühren (Basic ab 25 € netto/Monat plus Transaktionskosten und Apps). WooCommerce passt, sobald es speziell wird – eigene Produktlogik, ERP-Anbindung, volle Daten- und Checkout-Kontrolle – und rechnet sich über eine Anfangsinvestition plus Wartung. Über drei Jahre liegen die Gesamtkosten oft näher beieinander, als die Preisschilder suggerieren.
„Sollen wir den Shop mit Shopify oder mit WooCommerce bauen?” ist die häufigste E-Commerce-Frage, die uns Mittelständler stellen. Die ehrliche Antwort: Beide Systeme sind ausgereift, beide betreiben Millionen Shops – und welches passt, entscheidet nicht das Marketing der Anbieter, sondern dein Anforderungsprofil. Dieser Artikel vergleicht beide entlang der Kriterien, die im Alltag wirklich zählen.
Transparenz vorab: Unser Kerngeschäft ist die WooCommerce- und WordPress-Entwicklung – Shopify setzen wir ein, wo es passt (etwa als Empfehlung nach einer Plattform-Evaluierung), aber es ist nicht unser Schwerpunkt. Unsere Perspektive ist also nicht ganz neutral. Gerade deshalb bekommst du hier ehrlich auch die Fälle, in denen Shopify die bessere Wahl ist.
Der Grundunterschied: Miete oder Eigentum
Shopify ist Software as a Service: Du mietest den Shop. Hosting, Sicherheit, Updates, Skalierung – alles liegt beim Anbieter. Du konfigurierst im vorgegebenen Rahmen, zahlst monatlich und bist in Minuten startklar.
WooCommerce ist ein Open-Source-Plugin für WordPress: Du besitzt die Installation. Sie läuft auf deinem Hosting, der Code gehört dir, jede Zeile ist veränderbar. Dafür liegt die Verantwortung für Betrieb, Updates und Sicherheit bei dir – oder bei einem Dienstleister deiner Wahl.
Fast alle Unterschiede in Kosten, Flexibilität und Kontrolle folgen aus diesem einen Prinzip.
Kosten: die ehrliche Dreijahresrechnung
Die Preisschilder täuschen in beide Richtungen. Shopify wirkt günstig („ab 25 €/Monat”), WooCommerce wirkt kostenlos. Beides stimmt nur auf den ersten Blick.
Shopify (Nettopreise, Stand grob 2026 – aktuelle Zahlen beim Anbieter prüfen):
- Basic 33 €/Monat (25 € im Jahresabo), Grow 88 € (66 €), Advanced 384 € (289 €) – Shopify Plus für Großkunden startet bei rund 2.300 US-Dollar/Monat
- Zahlungsabwicklung: Shopify Payments kostet je nach Plan etwa 1,7–2,2 % plus 0,30 € pro Kreditkarten-Transaktion; wer stattdessen externe Zahlungsanbieter nutzt, zahlt zusätzlich 0,2–2 % Transaktionsgebühr an Shopify
- Apps: Viele Funktionen (erweiterte Filter, B2B-Preise, Bundles) kosten eigene Monatsabos – 50–200 €/Monat an App-Kosten sind in gewachsenen Stores normal
- Theme-Anpassungen jenseits des Baukastens brauchen Spezialentwicklung
WooCommerce:
- Software: 0 € – Plugin und WordPress sind Open Source
- Hosting: je nach Größe etwa 10–100 €/Monat
- Erweiterungen: kostenpflichtige Plugins (Zahlungsarten, Versand, B2B) typisch 100–500 €/Jahr
- Entwicklung: der eigentliche Posten – ein professionell aufgesetzter Shop liegt in unserer Preisspanne für Websites und darüber, je nach Produktlogik
- Wartung: Updates, Backups, Sicherheit – sinnvoll über einen Wartungsvertrag abgedeckt
Auf drei Jahre gerechnet nähern sich beide Modelle oft an: Was Shopify an monatlichen Gebühren und Transaktionskosten sammelt, kostet bei WooCommerce als Anfangsinvestition plus Wartung. Der Unterschied liegt weniger in der Summe als in der Verteilung – Miete glättet, Eigentum investiert vor.
Kontrolle und Daten
Hier trennen sich die Systeme deutlich:
- Datenhoheit: Bei WooCommerce liegen Kunden- und Bestelldaten auf deinem Server – Standort und Anbieter wählst du, Auftragsverarbeitung inklusive. Bei Shopify liegen sie in der Cloud des Anbieters; das ist DSGVO-seitig handhabbar, aber du verwaltest es im vorgegebenen Rahmen.
- Checkout: Shopify gibt den Checkout weitgehend vor – bewährt und konversionsstark. In den Standard-Plänen passt du im Wesentlichen Branding an (Logo, Farben, Schriften); eigene Felder, Inhalte und Logik im Checkout sind Shopify Plus vorbehalten. WooCommerce lässt jeden Schritt umbauen, vom Feld bis zur Logik.
- Exit: Eine WooCommerce-Installation kannst du mitsamt Datenbank zu jedem Hoster umziehen. Bei Shopify exportierst du Daten, aber Shop, Theme und Apps bleiben zurück.
Flexibilität und Schnittstellen
Der Punkt, an dem die Frage im Mittelstand meist entschieden wird: Wie speziell sind deine Anforderungen?
Standard-Sortiment, Standard-Versand, Standard-Zahlarten? Beide Systeme können das, Shopify oft schneller. Aber sobald es speziell wird – Warenwirtschafts- oder ERP-Anbindung mit eigenen Regeln, kundenindividuelle Preise, konfigurierbare Produkte, besondere Steuer- oder Versandlogik – spielt WooCommerce seinen Open-Source-Vorteil aus: Es gibt keine Stelle im System, die für Entwickler gesperrt ist. Bei Shopify endet mancher Sonderwunsch an den Grenzen der Plattform oder hinter der Plus-Preisschwelle. Beispiel B2B: Grundfunktionen wie Firmenprofile, bis zu drei Preiskataloge und Zahlungsziele bringt Shopify inzwischen in allen Plänen mit – unbegrenzte Kataloge, kundenindividuelle Katalogzuweisung oder Teilzahlungen bleiben aber Shopify Plus vorbehalten, ab rund 2.300 US-Dollar im Monat.
Unsere Faustregel aus Projekten: Je näher dein Shop am Standard ist, desto stärker spricht die Bequemlichkeit für Shopify. Je mehr Sätze deiner Anforderungsliste mit „bei uns ist das anders” beginnen, desto stärker spricht alles für WooCommerce.
Wartung und Sicherheit
Shopifys stärkstes Argument: Es gibt nichts zu warten. Updates, Patches, Skalierung bei Lastspitzen – Anbietersache. Das ist für Teams ohne Technikverantwortlichen ein echter Wert.
WooCommerce erbt die WordPress-Realität: Core, Plugins und Theme wollen regelmäßig aktualisiert, Backups getestet, Sicherheitslücken zeitnah geschlossen werden. Das ist kein Hexenwerk, aber eine Daueraufgabe – unbeaufsichtigte Shops sind die Hacks von morgen. Wer intern niemanden dafür hat, rechnet die Wartung ehrlich in die Gesamtkosten ein, statt sie zu verdrängen. Auch die Performance will aktiv gepflegt werden – wie, steht in unserem Artikel zum WooCommerce schneller machen.
Wann was: die Kurzform
Shopify passt, wenn:
- du schnell und ohne Technik-Team live gehen willst
- dein Sortiment und deine Prozesse nah am Standard sind
- planbare Monatskosten dir wichtiger sind als Anpassbarkeit
- niemand im Unternehmen Betriebsverantwortung übernehmen kann oder will
WooCommerce passt, wenn:
- du individuelle Produktlogik, Preise oder Prozesse brauchst
- ERP, Warenwirtschaft oder andere Systeme angebunden werden müssen
- Datenhoheit und freie Hosting-Wahl für dich zählen
- der Shop Teil einer bestehenden WordPress-Website ist
- du langfristig Eigentum statt Miete willst – inklusive der Verantwortung dafür
Und Headless? Für Shops mit besonderen Frontend-Ansprüchen gibt es noch den dritten Weg: das Shopsystem als reines Backend, ein schnelles eigenes Frontend davor. Das geht mit beiden Systemen – Shopify bringt dafür die Storefront API und das eigene Framework Hydrogen mit, bei WooCommerce läuft es über die REST- oder GraphQL-API; wie, haben wir im Artikel zu Headless WooCommerce beschrieben. In beiden Fällen gilt: Headless ist die Ausnahme für besondere Ansprüche, nicht der Standard – aber gut zu wissen, dass der Weg existiert.
Unser Fazit
Es gibt keinen Gewinner, nur passende Zuordnungen. Shopify ist die richtige Wahl für den unkomplizierten Standard-Shop ohne Technikanspruch – und das meinen wir nicht herablassend, sondern als ehrliche Empfehlung. WooCommerce ist die richtige Wahl, sobald dein Shop besondere Anforderungen hat, mit anderen Systemen sprechen soll oder dir Kontrolle über Daten und Code wichtig ist.
Wenn du unsicher bist, wo dein Projekt liegt: Im Erstgespräch sortieren wir das gemeinsam – auch wenn am Ende „nehmt Shopify” herauskommt. Das kostet uns einen Auftrag und dich eine Fehlentscheidung weniger.
Häufige Fragen
Was ist günstiger: Shopify oder WooCommerce?
Auf drei Jahre gerechnet oft ähnlicher, als die Preisschilder suggerieren. Shopify kostet planbare Monatsgebühren (Einstieg rund 25–36 € netto/Monat je nach Abrechnung) plus App-Abos und gegebenenfalls Transaktionsgebühren. WooCommerce ist als Software kostenlos, braucht aber Hosting, kostenpflichtige Erweiterungen und laufende Wartung. Die ehrliche Antwort steckt in den Gesamtkosten deines konkreten Setups – nicht im Grundpreis.
Für wen lohnt sich Shopify?
Für Shops mit Standard-Anforderungen, die schnell und ohne eigenes Technik-Know-how live gehen wollen: klassischer Produktverkauf, gängige Zahlungsarten, überschaubare Individualisierung. Shopify nimmt dir Hosting, Sicherheit und Updates komplett ab – dafür akzeptierst du das Baukasten-Prinzip, laufende Gebühren und die Grenzen des Systems bei Sonderwünschen.
Für wen lohnt sich WooCommerce?
Für Shops, die Besonderes brauchen: individuelle Produktlogik, ERP- oder Warenwirtschafts-Anbindung, spezielle Preisstrukturen, volle Kontrolle über Daten und Checkout. WooCommerce läuft auf deinem Hosting unter deiner Kontrolle und lässt sich beliebig erweitern – dafür trägst du die Verantwortung für Wartung und Sicherheit, sinnvollerweise über einen Wartungsvertrag.
Kann man später von Shopify zu WooCommerce wechseln – oder umgekehrt?
Ja, in beide Richtungen – aber mit Aufwand. Produkte und Kundendaten lassen sich exportieren, Bestellhistorie, SEO-Rankings, Theme und Apps ziehen nicht einfach mit. Ein Plattformwechsel ist ein kleines Relaunch-Projekt mit Migrationsplanung und Redirects. Deshalb lohnt es sich, die Entscheidung am Anfang gründlich zu treffen.
Passende Leistungen
Gründer & Full-Stack-Entwickler
20+ Jahre Erfahrung in der Webentwicklung. Spezialisiert auf Laravel, WordPress und individuelle Software für den Mittelstand.